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Der Westen Islands

Teil 1 - Der Westen Islands

Nach 3,5 Stunden Flug ab Frankfurt sind wir nun endlich gelandet und haben auch den Corona-Einreise-Test hinter uns gebracht. Das Ergebnis werden wir in den nächsten 6-24 Stunden per Mail mitgeteilt bekommen. Jetzt noch schnell unser Gepäck holen und ab zur Mietwagenstation...  dachten wir!

 

Bis wir unseren Mietwagen in Empfang nehmen dürfen, bedarf es allerdings noch ein klein wenig Diskussion mit der isländischen Polizei, denn kurzfristig wurden die Einreisebestimmungen geändert, und alle Touristen, die nicht vollständig geimpft oder nachgewiesen genesen sind, müssen in eine staatliche Quarantäneunterkunft. Wir konnten aber die sehr freundlichen Polizisten davon überzeugen, dass unsere Quarantäneunterkunft, die wir im Vorfeld gebucht haben, den Vorgaben entspricht, und durften dann auch weiter!

 

Auf dem Parkplatz der Autovermietung stellen wir fest, dass unser 4x4 noch genauso Island-unerfahren ist wie wir! Das Auto ist nagelneu und wird nun gemeinsam mit uns die Insel entdecken. :-)

 

Jetzt noch schnell die Wäsche-Pakete, die Ferienhaus-Codes und die Einkäufe abholen, und dann geht es auf nach Borgarnes, wo wir die 5 Tage Quarantäne "absitzen" werden. Aber ich bin sicher, langweilig wird es uns nicht.

 

 

 

Angekommen im Domizil für die nächsten 5 Tage, laden wir erstmal das Auto aus und sichten die Einkäufe, die wir vom Supermarkt bereits in Tüten verpackt auf unserem Weg zum Haus abgeholt haben.

 

Im Großen und Ganzen entspricht der Einkauf unseren Erwartungen. Lediglich eine Pferde-Wurst sorgt (noch) für ratlose Gesichter. Wir haben eigentlich Aufschnitt erwartet, aber offensichtlich braucht es für diese Wurst noch eine Art der Zubereitung...

Nun ja, wir haben ja jetzt genügend Zeit, ein wenig Recherche zu betreiben, was genau es mit dieser Wurst auf sich hat, und was man damit anstellt... :-)

 

Die Entscheidung darüber vertagen wir auf später und richten uns statt dessen erstmal häuslich ein... Für heute gibt es nur schnelle Küche und dann ab ins Bett. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon, dass es nicht wirklich dunkel wird um diese Jahreszeit.

Aber wir sind gut müde, und von daher schlafen wir schnell ein.

 

Die nächsten Tage ist bestes Wetter angesagt, und wir sitzen fest, wohl wissend, dass es im Umkreis so viel Schönes zu entdecken gibt... Na toll... Aber wir sind brav!

Wir starten den Tag mit dem ersten Kaffee/Tee auf der Terrasse und verlassen das Haus nur für kurze Spaziergänge in der Ferienhaus-Siedlung, natürlich ohne Kontakt zu irgendwem. Dann gibt's das eine oder andere Spielchen, mit dem wir uns die Zeit vertreiben, und im Garten haben wir ein Trampolin entdeckt... Wer sagt denn, dass das nur von Kindern benutzt werden darf? Und ganz ehrlich, so ein bisschen Kind steckt doch in jedem von uns! Und obendrein sieht es ja keiner... :-) Also hüpfen, hüpfen, hüpfen... :-)

 

Wenn wir dann hungrig werden, nun - der Kühlschrank ist voll, wir haben Zeit, da wird natürlich lecker gekocht oder gegrillt!

 

 

Wie ihr seht, schadet uns der "Stubenarrest" in keinster Weise. :-) Und verhungern müssen wir auch nicht. Im Gegenteil... Wir lassen es uns kulinarisch so richtig gut gehen, und genießen es, dass wir Zeit und Ruhe haben.

 

Ach ja, da war ja noch die Sache mit der Pferdewurst... So langsam rückt das Quarantäneende näher, und dann muss die auch mal gegessen werden. Nach ein bisschen Recherche in einer Islandgruppe auf Facebook gab es dann auch Tipps, wie man das gute Stück zubereitet und was man am Besten dazu isst.

 

Also, es handelt sich um eine auf Island sehr beliebte Pferde-Brühwurst. Die soll eine knappe Stunde vor sich hinköcheln und wird dann zusammen mit Kartoffeln und grünen Bohnen gegessen. Hmmm... Kartoffeln haben wir zwar, aber grüne Bohnen - die standen nicht auf unserer Einkaufsliste. Spontan zum Einkaufen fahren geht ja nicht, also müssen wir improvisieren.

 

Tja, zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Packung aber noch nicht aufgemacht...

Kaum geöffnet, zieht ein lieblicher Duft von abgestandenem Aschenbecher durch das ganz Haus.

Also wir sind beide sehr skeptisch... Muss das so??? Aber getreu dem Motto: "Kneifen gilt nicht" haben wir die Wurst ins kochende Wasser gegeben. Der Geruch wurde aber nicht besser. Während alles so munter vor sich hingeköchelt, recherchiere ich nochmal in der Gruppe und ernte Gelächter... Ja, das muss so!

 

Der Isländer mag seine Wurst sehr streng geräuchert. Nun ja, streng auf jeden Fall!

Egal... Nach der angegebenen Kochzeit wird die Wurst aus ihrer Pelle befreit, und zerbröselt wie Gehacktes... Und was soll ich sagen: sie schmeckt erstaunlich gut!!!

 

Auf die Frage, was wir jetzt damit machen, wo wir doch keine Bohnen haben... tja...
mit Tomaten und getrockneten Käutern geschmort und mit Spaghetti gegessen! Lecker war's!

Beim nächsten Mal gibt's das aber mit Bohnen...  :-)

 

 

Endlich sind die 5 Tage um, und wir haben inwischen auch die Formalien für den 2. PCR-Test zum Ende der Quarantäne bereits erledigt. Wo wir den Test machen können, haben wir auch recherchiert und haben auch bereits die ersten Ziele festgelegt, die wir auf dem Weg ins nächste Ferienhaus uns unbedingt noch ansehen wollen. Endlich geht es los! Wir können es kaum erwarten loszuziehen.

 

Noch eben das Haus putzen, denn der Nachfolger wird in wenigen Stunden eintreffen, dann noch das Auto beladen, ab zum Test, dann noch schnell ein paar Lebensmittel für das nächste Ferienhaus einkaufen und dann wollen wir das Land erkunden.

 

Soweit der Plan...

 

Bis zum Testcenter passt auch alles... Nur dort ist keiner! Komisch... Und nirgends ein Hinweis... Nur eine Telefonnummer, die zu kontaktieren sei, wenn niemand vor Ort ist. Gut... rufen wir halt an... Leider ist die Bandansage nur auf isländisch verfügbar, so dass wir genauso schlau sind, wie vorher. Da es sich bei dem Testcenter um eine Krankenstation handelt, beschließen wir, einfach mal auf der Station zu klingeln... Ein sehr hilfsbereiter junger Mann erklärt uns dann, dass heute Feiertag sei, und deswegen in so kleinen Testcentern wie Borgranes keine Tests gemacht werden.

Woher hätten wir das denn bitte wissen sollen! Jetzt ist guter Rat teuer. Entweder zurück nach Reykjavik oder eine andere Station finden, wo heute noch Tests gemacht werden können.

Das bedeutet, dass wir jede Menge Zeit verlieren... Aber auch hier kann uns der Sanitäter helfen. Er recherchiert und telefoniert, und kann uns ein Zeitfenster von 15 min nennen, wo in Akranes, der nächstgrößeren Stadt zwischen Borgranes und Reykjavik auch am Feiertag getestet wird.

 

Das ist ein Zeitverlust von insgesamt gut 2 Stunden, aber was solls! Hauptsache wir können uns testen lassen und sind dann offiziell aus der Quarantäne entlassen!

 

Ein bisschen Sorge macht uns nur das Wetter, denn es zieht sich zu, und als wir aus dem Supermarkt kommen, fallen schon die ersten Tropfen. Ein bisschen Regen trübt aber unsere Entdeckerlaune nicht, und wir ziehen los!

 

Den ersten Halt machen wir bei der heißen Quelle von Deildartunguhver.

 

Dort sprudelt 100°C heißes Wasser direkt aus der Erde und ergießt sich in einen Bach.

 

Diese heiße Quelle bleibt natürlich nicht ungnutzt. Neben dem Thermalbad, was direkt nebenan für Besucher geöffnet hat (für uns sehr überraschend, weil im Internet stand, dass die Schwimmbäder coronabedingt noch geschlossen haben!), wird das heiße Wasser aber auch nach Borgranes und Akranes geleitet und dient dort der Warmwasserversorgung und Heizung. Apropos Heizung: Selbiges Wasser wird im Umkreis für den Anbau von Tomaten in großen Gewächshäusern genutzt. Die kann man dort direkt vom Erzeuger erwerben, aber davon haben wir keinen Gebrauch gemacht.

 

Unser Zeitplan für heute lässt leider ein Bad im heißen Quellwasser nicht mehr zu.

Vielmehr zieht es uns - trotz Regenwetter - weiter zum Hraunfossar (Lava-Wasserfall).

Dieses Naturwunder ist selbst für Island etwas Besonderes. Einen Fluss, der sich hier über die Klippen stürzt, ist weit und breit nicht zu sehen. Scheinbar aus dem Nichts stürzen sich hunderte von kleinen Wasserfällen in den Hvìta Fluss. Lange Zeit hat man daher an ein Wunder geglaubt. Inwischen weiß man aber, dass das Wasser des Flusses, der die Fälle speist, im Lavagestein versichert und unterirdisch weiterfließt. Bis es sich eben dann hier über die Klippen auf 700m Länge in den türkisfarbenen Fluss ergießt.

 

Wir testen jetzt gleich mal die Wasserdichtigkeit unserer Wanderausrüstung, und gehen ein ganzes Stück entlang der Fälle auf gut ausgebauten Wegen spazieren, begeistert von der Farbenpracht! Wie muss das erst aussehen, wenn die Sonne scheint? Oder im Herbst, wenn die Natur mit rotgoldenen Farben einen tiefen Kontrast zum türkisblauen Wasser bildet... Einfach nur beeindruckend.

 

Pitschnass (aber nur von außen) kehren wir zum Parkplatz zurück und machen uns auf den Weg nach Hellnar, wo am Fuße des Snaefellsjökull unser nächstes Ferienhaus auf uns wartet.

 

 

Angekommen in der Ferienhaussiedlung Fjörusteinn beziehen wir unser Domiziel für die nächsten Tage. Da es ja noch lange nicht dunkel wird, und wir unterwegs schon von Weitem einen schönen Wasserfall gesehen haben, beschließen wir, nach einem schnellen Abendessen noch auf Erkundungstour zu gehen, und ein wenig an den Klippen der Bucht von Hellnar entlangzulaufen...

 

Außer dem Gekreische der Möwen und anderer Seevögel, die fleißig am Brüten sind und dem Rauschen der Wellen ist nichts zu hören... Und außer uns ist auch kein anderer Mensch mehr unterwegs... Einfach nur herrlich! Stundenlang könnten wir einfach nur hier stehen, schauen und die Gedanken fliegen lassen...

 

 

Kurz nach elf abends reicht es uns dann aber für den ersten Tag on tour und wir fahren ins Ferienhaus zurück. Dort wird noch die Tagestour für morgen besprochen, und dann geht's aber erstmal ab ins Bett.

 

Für den nächsten Tag ist eine Tour um die Halbinsel Snaefellsness geplant. Hier haben wir im Vorfeld schon Einiges gelesen von tollen Stränden, imposanten Felsformationen, Wasserfällen und immer mit den Bergen und dem Gletscher Snaefellsjökull im Hintergrund. Das Wetter ist aber sehr unbeständig. Sonne und Regen wechseln sich sehr schnell ab...

 

Als wir aufwachen, scheint die Sonne, und es bläst ein starker und stetiger Wind. Wir sind auf jeden Fall für jedes Wetter gerüstet, und fahren einfach mal los. Immer im Uhrzeigersinn einmal um die Halbinsel. An den schönesten Stellen halten wir an, und gehen noch ein wenig auf Wanderschaft.

 

Den Anfang macht eine Felsformation namens Londrangar. Diese beiden markanten Felsnadeln sind Überreste von 2 sehr alten Vulkanen. Lediglich die Schlote sind noch da. Den Rest der Krater haben Wind und Wellen im Laufe der Jahre abgetragen. Ein wirklich verwunschener Ort, wo es einem nicht schwerfällt zu glauben, was die Sage sagt: An diesem Ort leben Elfen, die die beiden Felsnadeln als Kirche nutzen. Der Glaube an das "Verborgene Volk" ist hier sehr lebendig! Die Einheimischen meiden die Plätze, wo Elfen leben oder bewegen sich hier nur sehr vorsichtig. Und auch als Tourist ist man gut beraten, die gebahnten Wege nicht zu verlassen, und die Leute vom "Verborgenen Volk" zu verärgern... Es häufen sich sonst die Unfälle in diesen Gegenden.

 

Natürlich sind wir vorsichtig, und nähern uns nur mit dem gebotenen Respekt.

 

Der gut 2 km lange vorgebahnte Weg führt vom Parkplatz zu einer Aussichtsplattform und dann über Felsen, Geröll und alte Lava durch ein altes Lavafeld. Er erfordert ohnehin eine gehörige Portion Achtsamkeit, ist aber sonst nicht schwierig zu bewältigen. Die Wanderung lohnt sich, denn nicht nur die Felsnadeln sind beeindruckend, die Steilküste ist es auch, und die blühenden Moose zwischen den Steinen... Ein wirklich zauberhafter Ort!

 

Der nächste Halt ist keine 8 km weiter der Djúpalónssandur, ein schöner schwarzer Strand.

 

Von dort aus starteten früher die Wikinger zu ihren Beutezügen. Wer anheuern wollte, musste nach alter Wikinger Sitte die Kraftmess-Steine heben.

 

Angeblich waren es mal fünf an der Zahl. Nur wer den "Volle-Kraft-Stein" (154kg) und den "Halbekraft-Stein" (100kg) heben konnte, durfte auf den Ruderbooten anheuern. So wurde sichergestellt, dass der neue Matrose auch stark genug war, den Launen des Meeres zu trotzden und beim Rudern nicht schlapp macht.

 

Da wir nicht anheuern wollen, und zudem das Wetter jetzt wieder umschlägt und es anfängt zu regnen, lassen wir den Strandspaziergang an dieser Stelle sein und genießen den Ausblick von der Aussichtsplattform.

 

Unser nächstes geplantes Ziel, die Besteigung des Saxholl-Kraters, lassen wir wegen schlechtem Wetter ausfallen. Statt dessen machen wir uns auf in die nächste Bucht zum Leuchtturm Svörtuloft, wo man noch einmal einen sehr schönen Ausblick auf die Küstencliffs haben soll.

Wir sind gespannt...

 

Auf dem Weg zum Leuchtturm müssen wir nochmal anhalten!

 

Nachdem wir aufgrund des Regens den Strandspaziergang in der vorherigen Bucht haben ausfallen lassen, nutzen wir die Regenpause und vertreten uns an diesem hübschen und einsamen Strand die Beine.

 

Der stetig starke Wind bläst uns die frische und kalte Seeluft um die Ohren, und wir lauschen eine ganze Weile dem Rauschen des Meeres. Einfach nur klasse!

 

Mehr braucht es wirklich nicht, um den Stress und die Hektik des Alltages für eine Weile zu vergessen!!!

 

Da das Wetter leider immer schlechter wird, und es derzeit nicht so aussieht, als würde der Regen in nächster Zeit eine Pause machen, beschließen wir, zurück ins Ferienhaus zu fahren. Vielleicht ergibt sich ja gegen später nochmal eine Möglichkeit, die Gegend einigermaßen trocken zu erkunden. :-)

 

Gegen frühen Abend lässt der Regen doch tatsächlich nochmal nach, und die Wolken reißen auf.

 

Das nutzt Peter, um sich seine Kamera zu schnappen und dem schönen Bjarnafoss nochmal einen Besuch abzustatten und sich dort ein wenig länger auzuhalten und mit dem Licht zu experimentieren.

 

Derweil habe ich schon mal das Abendessen vorbereitet. :-)

 

 

 

Es dauert länger als gedacht, bis Peter wiederkommt. Er hat nämlich auf dem Weg zurück eher zufällig noch eine Schlucht entdeckt, die verschiedene Reiseführer als "geologischen Abenteuerspielplatz für Erwachsene" nennen: Die Rauðfeldsgjá-Schlucht:

 

Ein Bach fließt durch eine enge Felsspalte, die man durchklettern kann, wenn man denn mutig ist, und kein Problem damit hat, nass zu werden. Zwischenstücke sind ein wenig kniffelig, und können nur mittels eines Seils bezwungen werden.

 

Am Ende der Schlucht soll dann zur Belohnung ein schöner Wasserfall warten.

 

Soweit klettert Peter aber nicht. Erstens ist es bei Temperaturen um die 6°C kein Vergnügen nass zu werden, und zum Anderen ist er allein hier, und das ist schlicht zu riskant.

 

Ein paar Fotos von und in der Schlucht hat er doch machen müssen, und ich kann mir gut vorstellen, dass es mega Spaß macht, da im Sommer durchzuklettern. :-)

 

Nach einem entspannten und gemütlichen Abend wachen wir am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein auf, und der Snaefellsjökull zeigt sich in seiner ganzen Schönheit. Nicht ein Wölkchen ist zu sehen...

 

Der Blick auf die Wetter-App verspricht uns heute ganztägig Sonnenschein und Wind.

Das nutzen wir natürlich aus, und erkunden weiter die Halbinsel Snaefellsness. Diemal fahren wir aber gegen den Uhrzeigersinn, und beginnen am Strand von Ytri Tunga.

 

Es ist gerade Ebbe, die Sonne scheint... perfekte Voraussetzungen, für das Beobachten von Seehunden. Allerdings liegen die Robben nicht direkt am Strand, sondern sonnen sich auf den Felsen vor der Küste. Wenn man die Tiere beobachten will, heißt es kraxeln über Sand und Felsen, und sich dann eine bequeme Foto-Position suchen...

 

 

Wir beobachten diese putzigen Gesellen eine ganze Weile. Das wäre sicher auch noch ein paar Stunden alles Andere als langweilig geworden. Allerdings ist der Wind extrem kalt und die Finger sind kaum noch zu spüren.

 

Dehalb treten wir dann den geordneten Rückzug an, begleitet vom Protest-Geschrei einiger Seevögel, denen unsere Präsenz ganz eindeutig nicht gefällt. Am lautestens protestiert ein Austernfischer. Wahrscheinlich sind wir seinem Gelege einfach zu nahe gekommen...

 

 

Unser nächster Wegpunkt heute liegt etwas versteckt. Bei den Koordinaten angekommen fragen wir uns, wo denn hier ein Wasserfall sein soll. Und dann auch noch einer, hinter dem man bequem hergehen können soll... Also das müssen wir doch jetzt herausfinden, denn fragen können wir niemanden. Also stapfen und rutschen wir eine kleine Weile über Felsen und Geröll. Dann plötzlich hören wir das Rauschen, und dann isser da... Der Sheep's Waterfall

 

Hinter der Klippe genießen wir dann nicht nur den wirklich schönen Wasserfall, sondern auch die Tatsache, dass es Windschatten hat. Perfekt für eine kleine Pause in der Sonne!!!

 

Als nächstes steht das Hai-Museum in Bjarnarhöfn auf dem Programm.

 

Im Vorfeld haben wir schon viel darüber gelesen oder in Dokus oder Reportagen im Fernsehen gesehen.

 

Von einem "Ekel-Spektakel für Touristen"wurde da berichtet, denn man kann hier nicht nur ein liebevoll gestaltetes Heimtmuseum mit einem Sammelsurium an historischen Haushaltsgegenständen, ausgestopften Tieren, Fischerei-Gegenständen und manch Kuriosum bestaunen, sondern eben auch eine Delikatesse probieren, die auf Island schon seit Jahrhunderten Tradition hat - den Gammelhai.

 

Der sei so widerlich und nur mit einem Schnaps zu ertragen, hieß es... Das sei nur was für starke Nerven und für einen noch stärkeren Magen...

 

Wir versuchen, diese Art von Vorurteilen auszublenden, und wollen uns eine eigene Meinung bilden, müssen aber zugeben, dass wir auch ein bissl nervös sind.

 

Als wir auf den Hof fahren, ist kein anderes Auto weit und breit in Sicht. Fast schon befürchten wir, es ist gar nicht geöffnet, doch da kommt auch schon der Hausherr und nimmt uns in Empfang. Wir bezahlen umgerechnet 8 Euro pro Nase Eintritt und werden dann in eine umgebaute Scheune gebeten. Neben den Dingen des Alltags auf Island von damals und heute gibt es auch eine Multimedia-Ecke. Dorthin werden wir nach kurzer Zeit gebeten, und der Hausherr erzählt uns die Geschichte des Gammelhais.

 

Nahrungsmittel auf der Insel sind nur begrenzt anbaubar, deshalb hat Fisch- und Walfang auf Island eine lange Tradition. Wal wurde zur Ölgewinnung gejagt, genauso wie der Grönlandhai.

Das Öl wurde dann verkauft und sicherte vielen Menschen das Überleben auf der Insel.

 

Für die Ölgewinnung braucht man aber nur die Leber der Tiere. Der Wal wurde verspeist, der Hai allerdings vergraben, denn der Hai hat keine Niere und scheidet giftige Stoffwechselprodukte über seine Haut aus. Dementsprechend ungenießbar oder gar giftig ist sein Fleisch.

 

Irgendwann in grauer Vorzeit gab es eine Hungersnot und einer der Fischer hat aus Verzweiflung den vergrabenen Haikadaver wieder ausgebuddelt, um etwas zum Essen zu haben. Erstaunlicherweise hat er dies unbeschadet überlebt, und so begann man auf Island, wo Nahrungsmittel wegzuwerfen sehr verpönt ist, auch das Fleisch der Haie nutzbar zu machen.

 

Bis noch vor wenigen Jahren hat man das Haifleisch in handliche Stücke geschnitten und dann zur Fermentierung im Sand vergraben. Heute macht man das kontrollierbarer und schichtet die Haistücke in Holzkisten und lässt den Fisch kontrolliert vor sich hin "gammeln". Dieser Prozess wird von einem ziemlich starken Ammoniak-Geruch begleitet... 3-4 Monate dauert dieser Reifungsprozess, bevor man die Stücke dann dem Wind und der Sonne aussetzt. Wie Schinken hängen dann die Stücke im Trockenhaus im Wind. Sieht eigentlich ganz lecker aus...

 

Wir dürfen auch einen Blick ins Trockenhaus werfen. Dort riecht es immer noch etwas nach Ammoniak, aber so richtig eklig ist da gar nix.

 

Als wir dann erzählt bekommen, wie und zu welchen Anlässen man den Gammelhai serviert, sind wir echt erstaunt! Nicht selten isst der Isländer den Hai dünn aufgeschnitten auf Brot, oder verlängert damit eine Fischmahlzeit, wenn nicht genug Fisch für die ganze Familie gefangen wurde... Aber dass dieses Haifleisch gesund ist, überrascht uns schon. Wenn man Magendrücken hat, oder aber einen Fisch isst, der nicht mehr so ganz fangfrisch ist, dann hilft ein Stückchen Gammelhai dabei, den Magen wieder zu beruhigen und die Wirkung von verdorbenem Fisch zu neutralisieren.

 

Na gut, die Stunde der Wahrheit ist gekommen... Wenn es auf Island schon seit hunderten von Jahren gegessen wird, sogar gesund ist, dann kann uns ja nix passieren. Schon werden wir zu einem großen Tisch geführt, wo der Hausherr bereits frisches Brot und Fischwürfel für uns vorbereitet hat. Zugegeben, es riecht ein wenig wie Katzenklo, aber wir nehmen uns jeder ein Holzspießchen, picken erst das Brot und dann den Fisch und dann beides zusammen in den Mund... kauen, kauen und runterschlucken. :-)

 

Ganz ehrlich? Wir sind ein wenig enttäuscht!!! Von Ekelalarm keine Spur, im Gegenteil, fast ist es schon unspektakulär...  Es hat die Konsistenz von Tintenfischringen und schmeckt wie ein fischiger Käse... Nicht wirklich lecker, aber eben auch absolut nicht ekelhaft... Das zweite Stück essen wir dann ohne Brot, um den puren Geschmack zu testen... Das dritte Stück dann wieder mit Brot, zumindest für mich, weil es mir so besser schmeckt.

 

Und von wegen, das geht nur mit Schnaps oder so... Den brauchen wir nicht!

Hätten ihn ja eh nicht trinken können, weil wir mit dem Auto da sind. :-)

 

Wieder haben wir erlebt, dass es sich lohnt, Vorurteile und falsche Erwartungen auzublenden, sich mutig neuen Eindrücken zu stellen und unvoreingenommen selber auszuprobieren!Es gibt für uns keinen Grund, sich vor dem Gammelhai zu fürchten...

 

Und natürlich haben wir ein Probierpaket für Mutige mitgebracht! :-) Wer sich traut - einfach nur Bescheid sagen!!!

 

Zum Hof gehören auch ein paar Islandpferde, die gleich neben der Zufahrt zum Hof auf einer großen Weide stehen und neugierig gucken.

 

Nachdem wir das OK bekommen haben, diese streicheln zu dürfen, wenn sie es zulassen, gibt es natürlich kein Halten mehr...

 

Wollen wir doch mal sehen, ob es uns gelingt, Freundschaft zu schließen mit diesen goldigen Vierbeinern. Erste zaghafte Kontaktaufnahme auf beiden Seiten... Es fragt sich, wer hier mehr Respekt vor wem hat. :-)

Einen letzten Stop haben wir noch eingeplant für heute... Wir fahren von Bjarnarhöfn weiter in Richtung Stykkishólmur, wo schon um 1550 die Hansekaufleute den natürlichen Hafen als sicheren Anlaufpunkt zu schätzen wussten, klettern die Stufen vom Hafen hinauf und genießen vom Leuchtturm Súgandisey den Ausblick auf die Schäreninseln des Fjords.

 

Allerdings ist es ziemlich windig und kalt, weshalb wir uns nicht ewig lange hier oben aufhalten, sondern beschließen, wieder zum Ferienhaus zurückzufahren. Allerdings nicht die Strecke, die wir heute gekommen sind, sondern die Strecke, die wir gestern bei weniger schönem Wetter schon gefahen sind... Heute ist die Sicht deutlich besser, so dass wir noch ein paar kurze Fotostops einbauen, noch eben zum Tanken fahren und uns an der Tankstelle ein Bierchen fürs Abendessen holen. Dann steht einem gemütlichen Tagesausklang nichts mehr im Wege.

 

Morgen heißt es dann ja wieder Taschen packen, Haus putzen und weiterziehen... Dem nächten Abenteuer entgegen...

 

Ein letzter Blick zurück auf unser Domizil der letzten Tage und den Snaefellsjökull und dann geht es unserem nächsten Ziel entgegen.

 

Eigentlich war geplant, dass wir zurück nach Borgranes fahren, dort eben zu Mittag essen und dann über die Ringstraße nördlich Richtung Hvammstangi weiterfahren, wo wir für 2 Nächte im Hotel erwartet werden.

 

Da wir einen großen Teil diese Strecke aber nun schon kennen, das Wetter toll ist, und wir neugierig sind, haben wir unsere Landkarten gefragt und spontan eine alternative Route ausgekundschaftet. Außerdem muss man das doch ausnutzen, wenn man einen Mietwagen mit 4x4 hat. Dem machen auch Schotterpisten nix aus. Und uns sowieso nicht, sind wir Selbige doch von unseren Afrika-Reisen gewohnt...

Also verlassen wir mutig die gut ausgebaute Straße nach Borgranes und biegen links ab auf die Schotterpiste 55. Durch einsame Landschaften mit vereinzelten Höfen fahren wir dann durch die Berge. Kurz bevor wir im Norden wieder auf den Hvammsfjördur stoßen, biegen wir rechts ab auf die Schotterpiste 54. Diese führt uns dann auf die gut ausgebaute Pass-Straße 60, der wir dann weiter folgen bis Selbige kurz hinter Bifröst wieder die Ringstraße erreicht.

 

Um unser Tagesziel zu erreichen, hätten wir uns links halten müssen. Allerdings haben wir bei unserer Recherche noch 2 interessante Wegpunkte gefunden, die wir uns unbedingt noch ansehen wollen, auch wenn wir dann noch ein paar Kiometer die Ringstraße zurück fahren müssen.

 

Nicht weit von Bifröst entfernt gibt es einen schönen Wasserfall zu bestaunen, den Glannifoss und man kann einen 3.000 Jahre alten Krater besteigen und auf dem Rand entlanglaufen und die Aussicht über dieses Fissuren-Eruptionsgebiet genießen. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen!!!

 

Den Weg zum Kraterrand hoch läuft man über Holzbohlen und jede Menge Treppen - Quasi ein kostenloses Bauch-Beine-Po-Training... :-) Das Anstrengendste war aber nicht das Hochsteigen, sondern der Kampf mit dem Wind... stellenweise ist der Weg ziemlich schmal, und es gibt kein wirkliches Geländer, an dem man sich festhalten könnte. Und es geht ziemlich steil abwärts, wenn man daneben tritt... Aber alles gut gegangen! Und die Aussicht ist echt grandios!!!

 

Durch eine Landschaft, die uns irgendwie an unsere Tour durch die Serengeti in Tasania erinnert, fahren wir unserem Tagesziel Hvammstangi entgegen. Fast rechnen wir mit dem Auftauchen von Elefant, Zebra und Co... Aber alles, was wir sehen, sind höchstens ein paar Schafe oder Islandpferde.

 

Ach ja, eines der größten Fettnäpfchen, in die man als Tourist trampeln kann, ist die Islandpferde als Ponies zu bezeichnen.

 

Die Isländer sind stolz auf ihre kleinen, aber sehr robusten Pferdchen, die sogar einen fast gänzlich ruckelfreien Gang draufhaben, denn andere Pferde nicht kennen... den Tölt.

 

Ausprobiert haben wir es selber nicht, haben aber einige Reitergruppen beim Tölten beobachten können. Dabei haben die Pferde immer einen oder 2 Hufe am Boden. Diese spezielle Gangart hat also keine richtige Sprung oder Flugphase, was es auch für ungeübte Reiter bequem und einfach macht, eine Reittour zu unternehmen. Die Anbieter solcher Reittouren kennen das Temperament und die Eigenarten ihrer Tiere, und werden für interessierte Touristen sicher das passende Reittier raussuchen. Es ist sicher im Sommer, wenn es nicht mehr ganz so kalt ist, absolut herrlich, diese Gegend auf dem Rücken eines Islandpferdes zu erkunden.

 

Angekommen im Hotel Laugarbakki in Hvammstangi, gab es zunächst ein kleines Missverständnis.

 

Anscheinend sind die Mitarbeiter davon ausgegangen, dass wir direkt vom Flughafen kommen, und jetzt erstmal den Kontakt zu Allen und Jedem vermeiden müssen. Entsprechend hat man uns ein Zimmer ziemlich abgelegen vom Haupthaus hergerichtet und Vorkehrungen getroffen, dass wir unsere Mahlzeiten via hoteleigenem Smartphone bestellen können, und Selbiges kontaktlos geliefert bekommen.

 

Das läßt sich aber ziemlich schnell aufklären, so dass wir dann nach einer ersten Orientierung im Ort und der näheren Umgebung im Hotelrestaurant einen leckeren Burger essen und auch zum Frühstück ins Restaurant kommen können.

 

Auf unserer Erkundungstour begegnen uns allenthalben freundliche Geister wie diese... :-)

Eine schöne Idee, wie wir finden.

 

Was wir auch finden, ist ein Werksverkauf für Island-Pullies und andere schicke Sachen aus Wolle. Leider hat der Laden heute schon zu... Hoffentlich sind wir morgen von unserer Tour, die wir geplant haben,  dann rechtzeit wieder zurück, so dass wir stöbern gehen können!!!

 

Unsere Tagestour heute führt uns einmal um die Halbinsel Vatnsnes herum.

 

Wir hoffen, wieder Robben beobachten und dabei die tolle Fjordlandschaft genießen zu können.

 

Schließlich wirbt Hvammstangi damit, dass sie Islands Hauptstadt der Seehunde ist.

Überall findet man Hinweisschilder in Robbenform und so machen wir uns auf den Weg und cruisen über Schotterpisten.

 

Unsere Versuche, an der Westseite der Halbinsel zu einer der Robbenkolonien zu gelangen, scheitern allerdings allesamt an gesperrten Zugangsstraßen.

 

Ein bisschen enttäuscht geben wir es schließlich auf und folgen der Straße weiter nach Norden.

 

Wenn man die Nordspitze umrundet hat, soll es dort eine schöne Felsformation mitten im Wasser geben. Die wollen wir natürlich sehen!

 

Kaum an den Koordinaten angekommen, sehen wir aber erstmal eine weitere Straßensperrung. Wir können nicht zum Parkplatz gelangen. Was soll's...

 

Wir haben den ganzen Vormittag kaum ein anderes Auto gesehen... Also beschließen wir, etwas neben der Straße auf einem Acker zu parken und laufen kurzerhand die Straße zum Parkplatz hinunter. Der Baggerfahrer, der dort fleißig am Straße reparieren ist, guckt zwar etwas verdutzt, winkt uns dann aber durch. :-)

 

Und so können wir doch noch den Basaltfelsen Hvítserkur sehen.

 

Als wir dann vom eigentlichen Parkplatz aus noch ein wenig nach rechts einem Trampelpfad folgen, gelingt uns auch noch das, was wir eigentlich schon aufgegeben haben...

Einen Blick auf Robben zu erhaschen. Versöhnt bleiben wir eine Weile, um den Robben beim Spielen zuzuschauen. Da sie aber keine Anstalten machen, zum Strand kommen zu wollen, wandern wir dann langsam zum Auto zurück, um unsere Rundtour weiter fortzusetzen.

 

 

Der Wind pfeift ordentlich, und lässt Finger und Nase ganz schön schnell taub werden.

Das muss wohl auch schon in der Zeit der großen Sagas so gewesen sein, denn aus genau diesem Grund hat sich die Trollfrau Kola, die hier gelebt hat, entschlossen, sich einen Ort zu schaffen, wo sie geschützt vor dem allgegenwärtigen Wind in Ruhe leben kann.

 

Dazu hat sie eine ca. 1km lange und 40-50m tiefe Schlucht gegraben.

Was aus Frau Kola wurde, weiß man nicht. Die Kolugljúfur - die Trollfrauenschlucht - kann man heute noch besuchen. Dort hat man wirklich eine sehr willkommene Pause vor dem harschen Wind! Nicht nur die Schlucht ist wunderschön, sie wartet auch mit einem sehr schönen Wasserfall, dem Kolufossar auf. Wir nutzen die Gelegenheit, nach einem kleinen Picknick, ein wenig an der Schlucht entlang zu wandern.

 

 

Nach der Trollfrauenschlucht fahren wir dann direkt nach Hvammstangi, denn da war ja noch was... :-) Richtig! Wir wollen in isländische Wolle investieren.

 

Also auf geht's... Und der Laden hat jetzt auch geöffnet. Es ist gar nicht so einfach, sich für einen Pullover zu entscheiden. :-)

 

Da diese Pullis aber nicht ganz günstig sind, fällt die Option aus, einfach zwei oder drei zu kaufen. :-) Nach einer kleinen Weile ist die Wahl dann getroffen, und wir sind zufrieden! Jeder von uns hat einen neuen Original Island-Pulli, und auch die Ohren bleiben zukünftig warm! Ha, und beim Bezahlen erfahre ich, dass es doch auch einen Online-Shop gibt! Mal sehen, vielleicht findet dann doch noch ein anderer Pulli seinen Weg zu mir... Who knows?!

 

Der kalte Wind ist ein prima Verkaufshelfer für den Absatz von Island-Wolle! :-)

 

Und einen Tipp, wo man im Ort gut essen kann, trotz Nebensaison und Corona-Beschränkungen, gab es von der netten Verkäuferin auch noch!

 

Das nutzen wir doch, um gleich einen Tisch für's Abendessen zu reservieren und natürlich werden die neuen Pullis dann auch gleich ausgeführt...

 

Beim Essen schmieden wir dann schon wieder Pläne, was den morgigen Tag betrifft. Wir werden nämlich weiterziehen, und den nördlichsten Punkt unserer Rundreise erreichen. Auf dem Weg dahin gibt es sicher noch einiges Interessantes zu entdecken!!!

 

Doch davon berichten wir dann im 2. Teil...  :-)

 


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